Kooperationen mit Schulen aufbauen

Warum erfolgreiche Nachwuchsgewinnung oft vor dem Vereinstor beginnt

Viele Vereine investieren viel Zeit und Herzblut in ihr Training, ihre Veranstaltungen und ihre Nachwuchsarbeit. Trotzdem stellt sich immer wieder dieselbe Frage:

Wie erreichen wir eigentlich die Kinder, die noch gar nicht wissen, dass es unseren Verein gibt?

Die Antwort darauf liegt häufig nicht auf der Rennstrecke, im Vereinsheim oder auf dem Trainingsplatz. Sie liegt dort, wo Kinder ohnehin einen großen Teil ihrer Zeit verbringen: in Schulen und Kitas.

Genau darüber wurde während der KidsWeek intensiv diskutiert. Die Erfahrungen aus Schule, Hochschule, Verein und Verband machten deutlich: Wer mehr Kinder für das Fahrradfahren und den Radsport begeistern möchte, sollte nicht darauf warten, dass Kinder den Weg in den Verein finden. Erfolgreiche Vereine gehen aktiv auf sie zu.

Kinder wachsen nicht auf Bäumen

So selbstverständlich dieser Gedanke klingt, so oft wird er im Vereinsalltag übersehen.

Früher war der Weg in den Verein häufig klar vorgezeichnet. Kinder bewegten sich selbstständig im öffentlichen Raum, fuhren Fahrrad und kamen über Freunde oder Familienmitglieder in den Sport. Heute konkurriert der organisierte Sport mit vielen anderen Freizeitangeboten. Gleichzeitig fehlt vielen Kindern der selbstverständliche Zugang zum Fahrrad.

Wer Nachwuchs gewinnen möchte, muss deshalb dort präsent sein, wo Kinder erreicht werden können.

Schulen bieten hierfür ideale Voraussetzungen:

  • nahezu alle Kinder werden erreicht,
  • Radfahren ist Teil zahlreicher Bildungs- und Mobilitätsinitiativen,
  • viele Lehrkräfte suchen nach verlässlichen außerschulischen Partnern,
  • Bewegung, Gesundheit und sichere Mobilität gewinnen gesellschaftlich zunehmend an Bedeutung.

Hinzu kommt: Schulen suchen häufig keine fertigen Leistungssportkonzepte. Sie suchen Partner, die Kinder in Bewegung bringen und ihnen positive Erfahrungen ermöglichen.

Der erste Schritt ist wichtiger als der perfekte Plan

Viele Kooperationen scheitern nicht an fehlenden Möglichkeiten, sondern daran, dass Vereine zu lange auf den perfekten Einstieg warten.

Die Erfahrung erfolgreicher Projekte zeigt jedoch: Kooperationen beginnen meist klein.

Oft reicht ein erstes Gespräch, eine einzelne Veranstaltung oder die Unterstützung bei einer bestehenden Aktion, um Vertrauen aufzubauen.

Mögliche Einstiege können sein:

  • ein Fahrradparcours beim Schulfest,
  • ein Projekttag zum Thema Radfahren,
  • die Unterstützung einer Fahrradprüfung,
  • eine Fahrrad-AG am Nachmittag,
  • die Durchführung des Deutschen Radsportabzeichens,
  • Angebote rund um das KidsRadDiplom.

Aus kleinen Projekten entstehen häufig dauerhafte Partnerschaften.

Der wichtigste Rat aus dem Webinar lautete deshalb:

Nicht auf die perfekte Gelegenheit warten. Einfach anfangen.

Kooperationen leben von Netzwerken

Wer an Schulkooperationen denkt, sollte nicht ausschließlich die Schule im Blick haben.

Besonders erfolgreiche Projekte entstehen häufig dann, wenn mehrere Akteure gemeinsam an einem Ziel arbeiten.

Mögliche Netzwerkpartner sind:

  • die Deutsche Verkehrswacht,
  • AktionFahrrad,
  • Landessportbünde,
  • Kommunen,
  • Schulsportbeauftragte,
  • Hochschulen,
  • lokale Unternehmen und Stiftungen.

Jeder dieser Partner bringt eigene Kompetenzen, Ressourcen oder Zugänge mit. Während Schulen Zugänge zu Kindern schaffen, können Verkehrswachten Sicherheitsthemen einbringen. Kommunen unterstützen häufig bei der Infrastruktur, während Vereine ihre sportliche Expertise einbringen.

Gemeinsam entsteht ein größeres Ganzes.

Mit Menschen beginnen, nicht mit Strukturen

Ein weiterer Gedanke zog sich wie ein roter Faden durch die Diskussion:

Kooperationen entstehen selten auf dem Papier. Sie entstehen zwischen Menschen.

Wer eine Schule als Partner gewinnen möchte, muss deshalb nicht sofort die komplette Schulverwaltung überzeugen.

Viel erfolgversprechender ist es, nach den Menschen zu suchen, die bereits für das Thema brennen.

Das können sein:

  • eine engagierte Schulleitung,
  • eine motivierte Sportlehrkraft,
  • die Leitung einer bestehenden Fahrrad-AG,
  • eine Schule, die sich bereits an Aktionen wie Schulradeln beteiligt.

Diese Personen werden oft zu Türöffnern innerhalb ihrer Einrichtung. Aus einer engagierten Einzelperson kann schnell ein gemeinsames Projekt entstehen.

Vom Projekt zur Beziehung

Der vielleicht wichtigste Gedanke aus dem Webinar lautet:

Erfolgreiche Kooperationen entstehen nicht durch Konzepte. Sie entstehen durch Beziehungen.

Natürlich braucht gute Zusammenarbeit eine Struktur. Entscheidend ist aber zunächst, sichtbar zu werden, zuhören zu können und verlässlich zu handeln.

Vereine, die regelmäßig präsent sind, Unterstützung anbieten und sich als vertrauenswürdiger Partner zeigen, werden mit der Zeit zu einem festen Bestandteil ihres lokalen Netzwerks.

Und genau dort beginnt nachhaltige Nachwuchsgewinnung.

Zum Mitnehmen:

Wenn ihr als Verein mehr Kinder erreichen möchtet, fragt euch nicht zuerst:

„Wie bekommen wir Kinder in unseren Verein?“

Fragt stattdessen:

„Wie können wir mit den Orten zusammenarbeiten, an denen Kinder bereits sind?“

Denn oft beginnt erfolgreiche Nachwuchsarbeit nicht auf dem Vereinsgelände, sondern auf dem Schulhof.

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